Risiken der Finanzmärkte haben stark zugenommen
I/2007

Wenn renommierte wirtschaftlicher Institutionen wie die Internationale Bank für Zahlungsausgleich und der Internationale Währunsgsfonds vor den Risiken der Finanzmärkte warnen, so lässt das aufhorchen. Schließlich neigt die Finanzbranche eher zu Optimismus.

Es sind volkswirtschaftliche Entwicklungen, die zunächst Anlass zu einem kritischem Blick bieten. Dazu zählen das hohe Leistungsbilanzdefizit der USA, hohe Staatsschulden weltweit, die zunehmende private Verschuldung in den Industrieländern, überbordende Immobilienpreise und hohe Aktienkurse, die zunehmend risikoreichere Geldanlage vieler Notenbanken.

Als zweiten großen Risikofaktor sind spekulative Geldanlagen zu nennen, wie sie so genannte Hedgefonds ausführen. Diese Fonds unterliegen im Gegensatz zu Aktien- und Renten-Fonds praktisch keinerlei Beschränkungen in ihrer Anlagepolitik: Genau genommen schließen Hedge-Fonds Wetten auf bestimmte Entwicklungen ab. Sie wetten indirekt, bauen also auf gewisse Entwicklungen von Währungen, aber auch von Aktien, Edelmetallen oder Rohstoffen. Sie wetten ebenfalls direkt: Hedge-Fonds arbeiten vielfach mit Derivaten, d.h. mit Termingeschäften auf Grundlage eines bestimmten Basiswerts wie Währungs- oder Börsenkurs. Beide Vertragsseiten setzen auf eine bestimmte Entwicklung des Basiswerts; tritt diese Entwicklung bei Futures (einer Form von Derivaten) ein, haben sie die Wette gewonnen und einen Gewinn erzielt, falls nicht, steht ein Verlust zu Buche. Dem Gewinn der einen Seite steht bei Derivaten der Verlust der anderen gegenüber. Das macht sie schon grundsätzlich risikoreich. Und die Risiken sind noch weitaus höher. Um die Abwicklung von Derivaten zu vereinfachen, werden vielfach die zugrundeliegende Güter nicht gehandelt, sie dienen lediglich als Basiswert, um die Gewinn- und Verlustsumme der „Wette“ zu ermitteln. Aus dieser Konstruktion ergeben sich große Gewinnchancen und Verlustrisiken, weil Derivate mit sogenannten Hebeln ausgestattet werden: Beispielsweise können die zwei Vertragspartner eines Derivats vereinbaren, dass eine Prämienzahlung entsprechend der Änderungen eines Aktienkurses mit dem Faktor zwanzig versehen wird. Chancen und Risiken steigen in gleichem Maß. Und nicht zuletzt ergeben sich für Hedge-Fonds große Risiken, weil sie in hohem Maße mit Geld arbeiten, das sie als Kredit aufgenommen haben.

Leerverkäufe (d.h. der Verkauf von geliehenen Aktien, die den Hedge-Fonds gar nicht gehören), Hebelwirkung, der hohe Einsatz von Fremdkapital und mangelnde Beschränkungen in der Anlagepolitik führen bei Hedge-Fonds zusammen mit der Anlagestrategie und fehlender staatliche Finanzaufsicht zu hohen Risiken bis hin zum totalen Kapitalverlust. Hedge-Fonds umfassen bei größeren Verlusten auch die Gefahr, die kreditgebenden Institutionen mit ins Verderben zu ziehen und eine Bankenkrise auszulösen. Dies gilt umso mehr, als die großen Banken immer stärker in das Geschäft mit Derivaten und Hedgefonds einsteigen. Mittlerweile ist das Volumen von Derivaten fünfmal so groß wie die gesamte globale Wirtschaftsleistung und wächst in hoher Geschwindigkeit weiter..

Es bestehen erhebliche Zweifel, ob das Finanzsystem strukturell für diese Spekulationswelle gewappnet ist. Namhafte Finanzexperten sehen hier eine ökonomische Zeitbombe. Schon 1998 gelang es nur mit vereinten Kräften der amerikanischen Notenbank und großer Geschäftsbanken, eine gigantische Pleite eines Hedgefonds mit dem nachfolgenden Domino Effekt einer Finanzmarktkrise zu verhindern.

Eine Finanz- und Bankenkrise ist für den Anleger ein reales Risikoszenario. Wie man sich darauf vorbereiten kann, zeigt das Buch. „Das Risiko Privatvorsorge: Ein Leitfaden für sichere Altersvorsorge und Geldanlage.“