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Vorsicht vor scheinbar unabhängigen Informationen zu Finanz- und Versicherungsprodukten Über Schleichwerbung der Versicherungsbranche im Fernsehen haben wir schon berichtet (siehe Beitrag vom März 2006). Einzelne Unternehmen der Finanz- und Versicherungsbranche nutzen eine weitere Form zur Beeinflussung der Verbraucher: Werbung mit Prominenten. Im Gegensatz zu Schleichwerbung ist dies zwar legal, kann aber doch zu fragwürdigen Konstellationen führen. Wenn Manfred Krug, Thomas Gottschalk oder Günter Netzer die Menschen zum Kauf bestimmter Aktien oder Fonds animieren, die später nicht halten, was sie einst verhießen, mag das nicht nett, aber in Ordnung sein. Wenn dagegen Journalisten, die der Unabhängigkeit verpflichtet sind, für den Kauf einer bestimmten Aktie oder für ein Versicherungsunternehmen werben, ist das nicht in Ordnung. Solches Verhalten widerspricht auch dem Pressekodex des Deutschen Presserats. Jüngst gerieten die beiden Fernsehjournalisten Johannes B. Kerner und Reinhold Beckmann in die Schlagzeilen. Ersterer warb für das riskante Investment in Aktien der Fluggesellschaft Air Berlin. Beckmann wirbt für den Versicherungskonzern WWK, der in der Vergangenheit auch schon Schleichwerbung im Fernsehen betrieb. Wie fragwürdig die Werbung von Journalisten sein kann, zeigte Beckmann, als er in seiner Talkshow den ehemaligen Sozialminister Norbert Blüm zu Gast hatte. Beckmann nahm Blüm und das System der gesetzlichen Rentenversicherung ordentlich in die Zange, ohne dass auf die fehlende Unabhängigkeit des Interviewers hingewiesen wurde. In dem Gespräch erhielt Beckmann argumentative Unterstützung durch Nina Ruge, einen weiteren Gast, die früher auch schon bei der WWK unter Werbevertrag stand. Als kritisch ist auch zu betrachten, wenn Finanzjournalisten parallel zu ihrer journalistischen Arbeit für Finanzunternehmen tätig sind oder Finanzzeitschriften selbst Finanzprodukte auf den Markt bringen. Es stellt sich die Frage, inwieweit solche Journalisten oder Zeitschriften neutral berichten können. Die Zahl der Fälle steigt. Wer kennt sie nicht, die scheinbar unabhängigen Wissenschaftler, die in der Presse immer wieder zu Wort kommen. Prof. Bert Rürup und Prof. Berndt Raffelhüschen sind die bekanntesten. Nebenberuflich sind sie für Versicherungs- und Finanzunternehmen tätig, beratend und mit Vorträgen. Das Internet bietet vielfältige Möglichkeiten, um sich über Finanzprodukte zu informieren. Für den Verbraucher besonders hilfreich scheinen Vergleichtabellen zu sein, in denen für bestimmte Finanz- oder Versicherungsprodukte unterschiedliche Anbieter und ihre Konditionen genannt werden (zum Beispiel Tagesgeldrechner, Lebensversicherungsvergleich). Solche Tabellen finden sich auf redaktionellen Seiten auch renommierter Informationsanbieter. Teils werden in den Tabellen aber nur Firmen genannt, die dafür bezahlen, wie der Finanzjournalist Andreas Kunze recherchierte. Einen aussagekräftigen Vergleich bieten die Tabellen dann natürlich nicht. Und die Moral von den Geschichten? Vorsicht vor scheinbar unabhängigen Informationen zu Finanz- und Versicherungsprodukten. Neutrale Informationen gibt es nur wenige. Ausnahmen bilden unabhängige Organisationen wie beispielsweise die Verbraucherzentralen und der Bund der Versicherten (siehe unter Links), die aufschlussreiche und verbraucherorientierte Informationen liefern. Das gilt auch für diese Webseite und das dazugehörige Buch.
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